Burnout in Sozialberufen: Gründe, Maßnahmen und Mentoring

Burnout in Sozialberufen

„Burnout ist auch das Krankheitsbild der Kommunikationsgesellschaft.“
– Miriam Meckel (Kommunikationswissenschaftlerin)

Letzte Woche berichteten wir über Stressoren am Arbeitsplatz, welche durch die Digitalisierung und die einhergehende beschleunigte Kommunikation bedingt sind. Solche Stressoren können zur Erschöpfung führen und langfristige psychische Konsequenzen nach sich ziehen. Wie sieht es aber jenseits technischer, digitaler Kommunikation aus?

Seit Jahren werden die herausfordernden Arbeitsbedingungen in kommunikationsstarken Berufen thematisiert, die sich durch Emotionsarbeit und intensive zwischenmenschliche Interaktionen auszeichnen. Gemeint sind Sozialberufe – ein Berufsfeld, das wie kaum ein anderes viele Burnout-Fälle mit sich bringt.

Warum sind helfende, soziale Berufe besonders von psychischer Erschöpfung betroffen? Wie lässt sich dem gegensteuern? Und was können wir – mit unserer Expertise im Mentoring – einbringen?

Wie war dein Tag, Liebling? – Zur Arbeitssituation in der sozialen Arbeit

Ob Sozialarbeiter, Psychologen, Erzieher, Pflegepersonal oder Mitarbeiter im Gesundheitswesen – sie alle arbeiten unter Bedingungen, die im Vergleich zu anderen Arbeitsfeldern zusätzliche Stressoren aufweisen.

Die Arbeit mit hilfsbedürftigen Klienten oder Patienten versetzt „Sozialarbeitende“ in hochkomplexe Situationen, die nicht leicht zu verarbeiten sind (Lloyd et al., 2002). Um Probleme zu durchdringen, empfinden sie die emotionalen Konflikte ihrer Klienten nach, häufig zu Kosten der eigenen Psyche. Hinzu kommt eine enorme Verantwortung für andere Personen und die ständige Forderung nach Problemlösungen für besonders komplexe – da menschliche – Probleme.

Darüber hinaus zeichnen sich alle Sozialberufe durch einen hohen Workload aus. Häufige Überstunden, Schichtdienste und wenige Pausen belasten die Psyche zusätzlich. Dem ist nur schwer Abhilfe zu schaffen, da die Kernbeschäftigung solcher Berufe in der Hilfe für Mitmenschen liegt. Dies lässt sich nur schwer auf das nächste Meeting vertagen.

„Im Gegensatz zu Dingen kann man Menschen nicht einfach liegen lassen. Selbst wenn man nicht mehr will und nicht mehr kann, warten auf der anderen Seite Menschen, die gepflegt, therapiert, unterrichtet oder betreut werden müssen. Hier auf die Signale des eigenen Körpers zu hören und sich zurückzunehmen ist in vielen Fällen schier unmöglich.“ (Burnout Fachberatung)

Trotz enormer Arbeitsbelastung und hohem Eigenengagement bleiben Erfolgserlebnisse in dieser Berufsbranche häufig aus. Patienten lassen sich möglicherweise nicht heilen, Probleme nicht lösen und Schüler nicht ausreichend fördern (vgl. Psychologie-News). Bei einem Mangel an objektiven Erfolgserlebnissen gewinnt die persönliche Wertschätzung durch andere an Bedeutung. Mitmenschen aus dem (Arbeits-)Umfeld werden dadurch zu einer „Energiequelle“ im Arbeitsalltag. Fehlende Wertschätzung durch Vorgesetzte und Konflikte mit Kollegen können sich daher umso negativer auf die Stressbewältigung und die Arbeitspsyche auswirken (vgl. Burnout Fachberatung).

Abbildung: Abgebranntes Streichholz, ein Symbol für Burnout

Gespaltene Arbeit: Von Rollen- und Wertkonflikten

Alle Sozialberufe sind in bürokratische bzw. institutionelle Kontexte eingebunden. Deren Zielorientierung widerspricht zumeist der Arbeitsphilosophie helfender Tätigkeiten. Sozialarbeitende leiden daher nicht nur unter Ressourcen-Mangel, sie befinden sich häufig auch in einem anhaltenden Rollenkonflikt (vgl. Lloyd et al., S. 257ff). Nicht selten wird von ihnen erwartet, dass sie Patienten früher entlassen, die Probleme Jugendlicher schneller klären oder Maßnahmen verkürzen, auch wenn dies nicht dem Interesse ihrer Patienten/Klienten entspricht.

„Role ambiguity was found to be an important source of dissatisfaction for social worker.“
(Lloyd et al., S. 228).

Sozialarbeitende haben sich außerdem bewusst für einen herausfordernden Beruf entschieden: „Dahinter stecken meist Ideale und ein hoher Anspruch an sich selbst“ (Burnout Fachberatung). Sie wollen etwas bewirken, Leben verbessern. Dieser Wunsch ist gerade bei Berufseinsteigern sehr ausgeprägt. Sie müssen ein realistisches Erwartungsmanagement erlernen, um Enttäuschungen und zusätzlicher Belastung vorzubeugen (siehe unten).

7 Handlungsempfehlungen zur Entlastung

Eine ausgeglichene Arbeit und ein gutes psychisches Wohlbefinden sind entscheidend, schließlich wirkt sich das persönliche Befinden direkt auf die Arbeit mit hilfsbedürftigen Menschen aus. Es bedarf konkreter Maßnahmen um Arbeitserschöpfung und Burnout zu vermeiden. Hier einige Beispiele:

  1. Workload verhandeln und neujustieren!
    Bei Überarbeitung sollte man die Rahmenbedingungen anpassen: Wo lässt sich der Arbeitsumfang ggf. abbauen? Wo lassen sich ‚wertschätzende’ Tätigkeiten finden, die zum persönlichen Wachstum beitragen?
  2. Auch in der sozialen Arbeit priorisieren und auswählen!
    Natürlich ist es unangenehm, zwischen Patienten und Co. zu selektieren. Aber die bewusste Auswahl von ‚einfachen’ Klienten oder Problemen an intensiven Tagen kann Abhilfe schaffen.
  3. Misserfolge nicht persönlich nehmen und emotionale Distanz wahren!
  4. Coping-Strategien erlernen (z. B. Minipausen, Meditation etc.)!
  5. Bewusste Auszeiten suchen und private Beziehungen stärken!
    Dies fördert die persönliche Wertschätzung.
  6. Die eigene Persönlichkeit, samt Stärken und Schwächen kennen!
  7. Realistisches Erwartungsmanagement betreiben!

Die stärkste Unterstützung liegt im Mentoring! Unser Programm mit der Caritas

„Bei Sozialberufen ist es also wichtig, schon in der Ausbildung zu lernen, wie man mit den menschlichen Problemen im Beruf zurechtkommt.“ (Psychologie-News)

All die genannten Handlungsempfehlungen lassen sich einem Betreuungsformat zusammen führen: dem 1:1-Mentoring. Auch Lloyd und Kollegen (2002) betonen die besondere Rolle von ‚Betreuern’ und Supervisionen, sprich von Formaten, die den Mitarbeitern eine zusätzliche Ansprechperson zur Seite stellen und neue Einblicke ermöglichen. Unsere Inhouse-Mentoring Programme zielen auf internes Wissensmanagement sowie auf persönliche Entwicklung und Wertschätzung ab. In Sozialberufen bedeutet dies konkret, dass Auszubildenden oder Berufseinsteigern erfahrene Mentoren an die Seite gestellt werden, die beim Erwartungsmanagement, bei Strategien zur Stressbewältigung und beim Kennenlernen der Organisationsstrukturen unterstützen. Begleitet wird dieses Programm durch bedarfsgerechte Trainings, beispielsweise zu persönlichen Stärken, Konfliktbewältigung und dem Umgang mit Stress.

Der Caritas-Verband ist weltweit für seine professionelle Hilfe in schwierigen Lebenslagen bekannt. Die Geschäftsführer der Caritas-Zentren im Raum München sind sich der Stressoren in sozialen Berufen bewusst und wollten verhindern, dass junge Berufsanfänger unvorbereitet auf solche Herausforderungen treffen. Neueinsteigern in den Bereichen „Kita“ und „Asyl“ stellten sie daher Mentoren zur Seite.

Der Wunsch nach Techniken zur Stressbewältigung und Konfliktlösung war dabei besonders groß. In den 1:1 Mentoring-Beziehungen wurden daher insbesondere solche Themen behandelt und durch Trainings und Supervisionen von ROCK YOUR COMPANY!- Trainern ergänzt.

„Es hat sich unfassbar viel geändert. Nicht nur meine berufliche Rolle, sondern auch meine innere Haltung. Ich kann jetzt Ansagen machen. Das hätte ich mir am Anfang nicht vorstellen können.“
– Desirée (Mentee)

 

Quellen:

baua (Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin). 2017. Psychische Gesundheit in der Arbeitswelt. Wissenschaftliche Standortbestimmung.
https://www.baua.de/DE/Themen/Arbeit-und-Gesundheit/Psychische-Gesundheit/Projekt-Psychische-Gesundheit-in-der-Arbeitswelt/_functions/BereichsPublikationssuche_Formular.html?queryResultId=null&pageNo=0

Burnout Fachberatung. Burnout in Sozialberufen.
http://www.burnout-fachberatung.de/burnout-und-soziale-berufe.htm

Lloyd, C., King, R., & Chenoweth, L. (2002). Social work, stress and burnout: A review. Journal of Mental Health, 11 (3), 255-265.

Psychologie News (Werner Stangl). Burnout in Sozialberufen.

(Visited 118 times, 1 visits today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Top