Ausbildungsstart 2017: Was tun gegen Bewerbermangel und Startschwierigkeiten?

Abbildung: leere Klassenräume zum Ausbildungsstart

Der drohende Fachkräftemangel in Deutschland wird bereits seit vielen Jahren heiß diskutiert. Mit dem Start neuer Ausbildungsgänge – jedes Jahr im September – wird diese Debatte mit frischen besorgniserregenden Analysen neu befeuert. Auch die Statistiken zum Ausbildungsstart 2017/18 vermögen diesen Trend nicht zu stoppen. Neue Hochrechnungen zeigen, dass bis 2040 in Deutschland rund 3,3 Millionen Fachkräfte fehlen könnten (Basler Forschungsinstitut Prognos; Kerstin Dämon, 2017).

Wir haben uns die aktuellen Zahlen zur Ausbildungssituation in Deutschland einmal genauer angeschaut. Mit jedem Ausbildungsjahr enstehen zudem neue Lösungsvorschläge, auf die wir in diesem Artikel ebenfalls eingehen.

Darüber hinaus haben wir den Ausbildungsstart bei den Stadtwerken Ludwigsburg-Kornwestheim erfolgreich mitbegleitet und stellen unser Programm zum Ausbildungs-Kick-off vor.

Problemszenario

Der Vorwurf bleibt: Deutsche Betriebe bilden immer weniger Menschen aus. Das Soziologische Forschungsinstitut (SOFI) und die Universität Göttingen trafen im Rahmen einer Langzeitstudie nun den Befund, dass zwischen 1999 und 2015 die Anzahl der Beschäftigten um 12,1 % angestiegen ist, während die Zahl der Auszubildenden um 6,7 % gefallen ist (Quelle: Spiegel Online, a). Dadurch sinkt auch die Ausbildungsquote kontinuierlich. Forscher halten eine Ausbildungsquote von 5 % (5 Azubis auf 100 Beschäftigte) für ausreichend, um den gefürchteten Fachkräftemangel zu verhindern – derzeit liegt die Quote bei ca. 5,1 % (ebd.). Ein weiteres Absinken sollte daher vermieden werden.

Die Schuld über sinkende Ausbildungszahlen liegt jedoch nicht unbedingt bei den Unternehmen. Die Anzahl verfügbarer Ausbildungsplätze ist seit einigen Jahren relativ hoch. Rund jeder dritte Betrieb kann diese Stellen allerdings nicht besetzen, jeder zehnte Betrieb erhält nicht einmal eine einzige Bewerbung (Quelle: DIHK-Ausbildungsumfrage, n=10.561 Unternehmen). DIHK-Präsident Dr. Schweitzer bezeichnet dies als „eine gefährliche Entwicklung für die gesamte Gesellschaft“.

Trotz verfügbarer Stellen fanden sich im letzten Jahr 20.600 Jugendliche ohne Ausbildungsplatz wieder. Ihre Abschlüsse sind für die Qualifikationsanforderungen der Betriebe nicht ausreichend oder aber sie sind „nicht mobil genug“ – sie bleiben ohne Arbeit und Zehntausende Stellen unbesetzt (Spiegel Online, b).

Abbildung: Statistiken zum Ausbildunsstart

Wie die Grafik der Bundesagentur für Arbeit zeigt, gibt es vor allem in Bayern einen Überschuss an Ausbildungsplätzen. Zum Start des jetzigen Ausbildungsjahres vermutet die IHK München und Oberbayern, dass ein Drittel der Ausbildungsangebote unbesetzt bleiben wird. Hier werden vor allem stagnierende Bewerberzahlen und der hohe Trend zur Akademisierung als Probleme angesehen. Während die Anzahl der Absolventen von Hauptschulen in Oberbayern in den letzten zwölf Jahren um 28 Prozent zurückging, stieg die Anzahl der Abiturienten um ganze 57 Prozent. Gerade für letztere müsse die duale Berufsausbildung wieder an Attraktivität gewinnen.

„Die duale Ausbildung ist eins der größten Erfolgsgeheimnisse unserer Zeit. Es gibt keinen besseren Start ins Berufsleben. Schüler und Eltern können zu Recht stolz sein, wenn sie sich für eine Ausbildung und damit für eine solide Zukunftsperspektive entscheiden.“ – Eberhard Sasse, Präsident IHK München und Oberbayern.


Hier geht es zur Lehrstellenbörse der IHKs in Deutschland – einem Verzeichnis von offenen Ausbildungsstellen:
https://www.ihk-lehrstellenboerse.de

Lösungsansätze und Entwicklungen?

Weitere Zielgruppen:
In der DIHK-Studie wird deutlich, dass für leerstehende Ausbildungsstellen auch das Potential anderer arbeitssuchender Gruppen genutzt werden muss. Dazu gehören laut DIHK-Präsident Schweitzer vor allem Studienabbrecher, Lernschwächere und Flüchtlinge.

Besonders vielversprechend zeigt sich bislang die Gruppe der Studienabbrecher, also Studenten, die sich vor ihrem Abschluss exmatrikulieren. Die Abbrecherquote liegt in diesem Bereich derzeit bei etwa 32 % (Quelle: Spiegel Online, b). In 2016 begannen rund 60.000 Bachelor-Studierende in den ersten sechs Monaten nach ihrer Exmatrikulation eine Fachausbildung, was ungefähr 43 % aller Studienabbrecher entspricht (ebd.).

Recruiting:
Beim Recruiting potentieller Azubis ist es vor allem wichtig, den Jugendlichen einen realistischen Eindruck von der Ausbildung zu ermöglichen. Viele Betriebe haben bereits damit begonnen, ihre Praktikumsangebote und Möglichkeiten zur Arbeitsplatzbesichtigung auszubauen. Einer der meist genannten Gründe für einen Ausbildungsabbruch ist nämlich die ungleiche Passung zwischen den Erwartungen der Azubis und den Anforderungen der Betriebe.

Bild: Azubine hält Vertrag in der Hand und schaut besorgt.

Anpassung der Unternehmen:
Bezüglich des Bewerbermangels hat das „Institut der deutschen Wirtschaft“ Empfehlungen für Unternehmen und Betriebe aufgestellt (Quelle: Kerstin Dämon, 2017; karriere.de). Diese sollten ihre Stellen verstärkt überregional ausschreiben sowie junge Leute und Arbeitslose zu mehr Mobilität bewegen, zum Beispiel durch Wohnangebote für Lehrlinge am Ausbildungsort. Im Sinne der Arbeitgeberattraktivität sollte neues Personal darüber hinaus beim Gestalten des neuen Arbeitsalltags unterstützt werden, beispielsweise durch Mentoring-Programme.

Den Ausbildungsstart erleichtern: Unsere Kooperation mit den Stadtwerken Ludwigsburg-Kornwestheim

Unsere Mentoring-Programme sind darauf ausgerichtet, Auszubildende und junge Mitarbeiter gezielt beim Berufseinstieg zu unterstützen. Neben unseren Mentoring-Programmen bieten wir auch Trainingscurricula an, um die sozialen und personalen Kompetenzen von Azubis und Berufseinsteigern zu fördern.

Zum Ausbildungsstart 2017/18 unterstützten wir mit unseren Trainings z. B. die Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim. In ihrer ersten Ausbildungswoche erhielten 15 Azubis verschiedenster Ausbildungsgänge drei, speziell auf die Herausforderungen der Stadtwerke Ludwigsburg, abgestimmte Trainings.

Im Training „DEINE MOTIVATION“ wurde den Azubis ein verstärktes Verbindlichkeitsgefühl vermittelt, dabei wurde auch die Bedeutung von Disziplin nicht ausgenommen – so wurde den Azubis ermöglicht, ihre persönlichen Quellen für mehr Ausdauer zu identifizieren. In „DU UND DEIN UMFELD“ lernten sie, wie man im Arbeitskontext professionell kommuniziert und wie man mit konstruktivem Feedback umgeht. Im Training „DEIN AUFTRETEN“ wurde dies um eine Einführung zu entscheidenden Umgangsformen in der Arbeitswelt erweitert sowie das Verhalten im beruflichen Umfeld diskutiert und eingeübt.

Dieser Kick-off der Ausbildung machte nicht nur den auszubildenden Betrieb attraktiver, sondern half den Azubis beim Eingewöhnen in das neue Arbeits- und Berufsumfeld. Die in den Trainings vermittelten Kompetenzen sollen den Auszubildenden außerdem das Rüstzeug an die Hand geben, ihre Ausbildung erfolgreich zu durchlaufen.

Mit unseren Programmen versuchen wir stets auf die gesellschaftlichen Entwicklungen zu reagieren sowie Unternehmen und Betrieben passende Lösungsmöglichkeiten zu bieten!

 

Quellen:

Lehrstellenbörse IHK: https://www.ihk-lehrstellenboerse.de 

Dämon, Kerstin (2017). Fachkräftesicherung: Maßnahmen gegen den Engpass an Personal: http://www.karriere.de/karriere/massnahmen-gegen-den-engpass-an-personal-168990/

Deutscher Industrie- und Handelskammertag, DIHK (2017). DIHK-Ausbildungsumfrage: „Uns geht der Nachwuchs aus“. https://www.dihk.de/presse/meldungen/2017-07-18-ausbildungsumfrage

IHK München und Oberbayern (August 2017). Beginn des Ausbildungsjahrs: Auch heuer große Bewerberlücke. https://www.ihk-muenchen.de/de/Presse/News/News-Detailseite-(überregional)_11264.html

Spiegel Online (a) (Juli 2017). Arbeitsmarkt: Deutsche Betriebe bilden weniger aus. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/ausbildung-unternehmen-bilden-weniger-aus-a-1160065.html

Spiegel Online (b) (Juli 2017). Azubi-Mangel: Jeder zehnte Betrieb bekommt nicht mal eine einzige Bewerbung. http://www.spiegel.de/lebenundlernen/uni/dihk-jeder-dritte-ausbildungsplatz-bleibt-unbesetzt-a-1158538.html

Weitere Quellen

Spiegel Online (Juli 2017). Fachkräftemangel: In fast jedem dritten Betrieb bleiben Ausbildungsplätze unbesetzt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/in-fast-jedem-dritten-betrieb-bleiben-ausbildungsplaetze-unbesetzt-a-1158554.html

(Visited 77 times, 1 visits today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Top