21th Century Skills – und welche Persönlichkeitseigenschaften (auch) zukünftig erfolgsentscheidend sind

In allen Ländern rund um den Globus setzen Volkswirtschaften auf Kreativität, Innovation und Zusammenarbeit. Moderne Technologien ersetzen zunehmend manuelle Arbeit und erhalten Einzug in sämtliche Bereiche unseres Lebens.

In den letzten 50 Jahren ist ein stetiger Rückgang von Arbeitsplätzen zu verzeichnen, die routinemäßige, manuelle Fähigkeiten fordern, demgegenüber steht die Zunahme an Arbeitsplätzen, die sich durch nichtroutinemäßige analytische und zwischenmenschliche Anforderungen auszeichnen (siehe unseren Beitrag zum Thema: Wie sieht Arbeiten in der Zukunft aus).

Bei Qualifizierter Arbeit geht es immer stärker darum, unstrukturierte Probleme zu lösen und Informationen effektiv zu analysieren. Um in der heutigen, vom Wandel getriebenen Wirtschaft erfolgreich zu sein, brauchen Arbeitnehmer andere Fähigkeiten als in der Vergangenheit (siehe unseren Beitrag zum Thema: Digitale Kompetenzen). Neben grundlegenden Fähigkeiten wie Mathematik, Lesen und Schreiben werden Kollaboration, d. h. die Zusammenarbeit mit anderen Menschen die Kreativität und die Problemlösungskompetenz immer wichtiger. So weit so klar. Schnee von gestern.

Die Studie „New Vision for Education“ des World Economic Forum geht einen Schritt weiter, neben den genannten Kompetenzen werden auch Persönlichkeitseigenschaften in den Fokus gerückt. Es spielt eine bedeutende Rolle, auf welche Weise der Einzelne dem Arbeitswandel begegnet. Neugierde, Hartnäckigkeit und Eigeninitiative sind nur drei Eigenschaften die laut der Studie immer wichtiger werden.

Die Studie „New Vision for Education“ weist auf die Bedeutung von Persönlichkeitseigenschaften hin.

Persönlichkeitseigenschaften (Character Qualities), beschreiben im Kontext des Arbeitswandels, wie Menschen mit der sich verändernden Umgebung umgehen. Inmitten sich schnell wandelnder Märkte sorgen Persönlichkeitseigenschaften wie Beharrlichkeit und Anpassungsfähigkeit für Widerstandskraft und Erfolg im Hinblick auf Herausforderungen und Hindernisse. Neugier und Eigeninitiative sind die Grundlage für die Entwicklung neuer Konzepte und Ideen. Soziales und kulturelles Bewusstsein beinhalten konstruktive Interaktionen mit den Mitmenschen.

Die Wichtigkeit dieser Charaktereigenschaften klingt schlüssig.

Inzwischen haben zahlreiche Studien z. B. die Bedeutung von Neugier beziffert. Ein Beispiel: Für eine Meta-Untersuchung im Jahr 2011 wertete die Psychologin Sophie von Stumm von der Universität von London zusammen mit zwei Kollegen etwa 200 Studien zur akademischen Leistung von Studenten aus. Darin hatten Forscher Faktoren wie den Intelligenzquotienten (IQ) oder Charaktermerkmale wie Gewissenhaftigkeit und Neugier mit den Noten der Studenten verglichen. Das Ergebnis: Der IQ spielte zwar die größte Rolle für die Leistungen der Studenten – doch Neugier, gepaart mit Disziplin, war fast genauso wichtig. Mehr noch: Studenten, die sich als neugierig bezeichneten und zum Beispiel angaben, dass sie gerne neue Dinge ausprobierten z. B. neue Länder bereisen, hatten selbst mit einem niedrigeren IQ ähnlich gute Noten wie ihre hochbegabten Studienkollegen.

Neugier, so lässt sich festhalten ist inzwischen ein anerkannter Karriere- und Erfolgsfaktor. Als die Unternehmensberatung PwC im vergangenen Jahr etwa 1300 CEOs aus 77 Ländern fragte, welche Eigenschaften Führungskräfte mitbringen müssen, landete die Neugier unter den ersten Plätzen (WIWO.de).

Neben Neugier gibt es dutzende Untersuchungen, die sich mit weiteren der oben genannten Charaktereigenschaften auseinandersetzen. Zum Thema Widerstandskraft gibt z. B. die Forschung im Bereich Resilienz weitere interessante Einblicke.

Doch wie schafft es man diese wichtigen Persönlichkeitseigenschaften zu fördern?

Antworten liefert die Positive Psychologie. Die erfreuliche Nachricht, sie geht davon aus, dass Charaktereigenschaften kontinuierlich auf- und ausgebaut werden können. Jeder Einzelne kann somit seine persönlichen Eigenschaften bewusst stärken.

Heute wird die Positive Psychologie als Wissenschaft jener Aspekte menschlichen Verhaltens und Erlebens verstanden, die zur optimalen Entwicklung von Menschen, Gruppen und Institutionen beitragen (Gable & Haidt, 2005).

Auch in der Positiven Psychologie spielt der Begriff „Charakter“ eine wichtige Rolle. Dies hängt damit zusammen, dass die Persönlichkeitseigenschaften  eine sehr zentrale Bedeutung für das Verständnis für ein psychologisch „gutes Leben“ haben.

In der Praxis der Positiven Psychologie wird den Bedingungen für positive Entwicklungen besondere Beachtung geschenkt (Gable & Haidt, 2005). Dabei rücken die Stärken des Individuums wie auch die seiner Umwelt in den Blick. Hindernisse werden als Herausforderungen verstanden, Defizite als Veränderungspotential gewürdigt. Lösungsmöglichkeiten und Entwicklungsressourcen des Einzelnen stehen im Fokus (siehe Grafik).

Grafik Zusammenhänge Positiver PsychologieWichtige Entwicklungsbedingungen aus Sicht der Positiven Psychologie Quelle: Steinebach, Jungo, Zihlmann (2012)

Es gilt, eingefahrene Denk- und Handlungsmuster zu hinterfragen. In Diagnostik und Intervention werden dabei nicht nur positive Aspekte (Erlebnisse, Ressourcen, Erfolge etc.) erfragt oder ausgebaut, es werden auch positive Emotionen aktiviert. Somit erweitert sich der Fokus des Denkens und Fühlens und damit werden Lösungen denkbar, die zuvor nicht möglich erschienen (Mitchell & McCall, 2009).

Je nachdem mit welcher Brille man auf die aufgezeigten Zusammenhänge schaut, ergeben sich unterschiedliche Handlungsempfehlungen. Als Arbeitgeber oder Ausbilder sollte ich bewusst ein sicheres, strukturiertes und wertschätzendes Umfeld schaffen und meinen Mitarbeitern und Auszubildenden die Möglichkeit zur persönlichen Weiterentwicklung zu geben. Als Mitarbeiter und darüber hinaus, als Mensch steht jedoch allen voran die Verantwortung sich selbst und seiner Umwelt gegenüber.

QUELLEN:

Gable & Haidt (2005): What (and why) is Positive Psychology? Review of General Psychology.

Mitchell & McCall (2009): Deep brain learning: pathways to potential with challenging youth.

Steinebach, Jungo, Zihlmann (2012): Positive Psychologie: Anwendung in Psychotherapie, Beratung und Coaching.

von Stumm, Hell, Chamorro-Premuzic (2011): The hungry mind: Intellectual curiosity is the third pillar of academic performance.

WIWO.de: Wissensdurst kann zum Karrierefaktor werden. (http://www.wiwo.de/erfolg/beruf/neugier-neugierige-liefern-bessere-arbeitsergebnisse-ab/13013354-2.html).

World Economic Forum (2013): New Vision for Education – Unlocking the Potential of Technology.

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