VUCA – eine komplexe Welt voller Möglichkeiten

 

„I think the next century (21st century) will be the century of complexity.“ – Steve Hawking (1942-)

Die Welt im 21. Jahrhundert scheint nicht nur komplexer, sondern schneller und vor allem unsicherer geworden zu sein. Der Beruf, den man einmal gelernt hat, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr der, den man bis zu seiner Rente ausüben wird. Die Märkte ändern sich durch die Digitalisierung in einer Geschwindigkeit, die das Planen immer schwieriger macht.

Ein Begriff, der dieses Phänomen beschreibt ist VUCA. Dabei ist dieses künstlich erschaffene Wort gar nicht im 21. Jahrhundert erfunden worden, sondern am Ende des Kalten Krieges, am US Army War College Ende der 90er Jahre. Nach dem Kalten Krieg erforderten die schwierigen Situationen in Afghanistan, dem Irak und in Somalia ein anderes Denken, ein anderes, komplexeres und schnelleres Herantreten und Reagieren. Das Akronym VUCA soll den neuen Normal-Zustand als eine mehr oder weniger Instabilität, die am Rande des Chaos steht, beschreiben:

Volatility (Volatilität): steht für Sprunghaftigkeit und Unberechenbarkeit. Grundsätzlich geht es darum, dass sich unsere Umwelt immer öfter, extremer und schneller verändert. In Bezug auf den Markt bedeutet das z. B., dass der Kunde von heute nicht mehr der Kunde von morgen ist.

Uncertainty (Unsicherheit): Wenn sich ständig alles verändert, ist es schwer zu planen und das sorgt für Unsicherheit. Dies kann sich positiv auswirken, indem man ständig dazu gezwungen ist Innovationen voran zu treiben und Neues zu entwickeln. Diese schnelle Entwicklung entwertet Wissen und führt dazu, dass man immer weiter lernen muss um sich auf dem neuesten Stand zu halten.

Complexity (Komplexität): Die Wirtschaftskreisläufe werden immer komplexer und verzahnter, laufen teilweise parallel ab und dabei fällt der Überblick schwer. Fachkräftemangel, aber auch fehlende Allrounder, die sich schnell in neue, unbekannte Themen einarbeiten können, werden immer mehr zum Problem.

Ambiguity (Ambiguität): Diese neue Welt ist mehrdeutig und nicht klar zu umfassen, weil weder die Regeln, noch die Akteure klar zu erkennen sind. Die Folgen sind daher schwer vorherzusagen und etablierte Geschäftsmodelle funktionieren nicht mehr. Daher müssen Unternehmen immer öfter individuelle Lösungen suchen, ohne zu wissen, ob sie damit Erfolg haben werden oder nicht.

Keine Angst vor VUCA

In der VUCA-Welt gibt es also wenig Routine, Regeln und Grenzen werden übergangen, angepasst und neu aufgestellt. Sie bietet viel Freiheit und Möglichkeiten, erwartet aber auch eine sehr hohe Flexibilität und Anpassungsfähigkeit. Auch für die Mentoren, die in unseren Programmen teilnehmen, ist es zu Beginn häufig schwierig, mit der neuen Situation umzugehen. Die Aufregung vor der ersten Begegnung mit den Mentees ist jedes Mal aufs neue präsent.

„Gibt es keine Best Practise Beispiele?“ oder „Gibt es da nicht so etwas wie eine Check-Liste, wie ich am besten mit meinem Mentee umgehe?“, sind Fragen, die anfangs immer wieder gestellt werden. Doch jeder Mentee ist anders und demensprechend gibt es nicht den einen richtigen Weg. Es gibt auch in dieser Beziehung stetig neue Ungewissheiten und Herausforderungen, daneben aber vor allem auch Raum für Kreativität und Entwicklung.

Aber keine Panik! Unsere Welt ist zwar unberechenbar, unsicher, komplex und mehrdeutig, aber damit umzugehen, das kann man lernen.

„Das ultimative Dilemma ist, die VUCA-Welt von dem angsteinflößenden Ding, das sie definitiv ist, in eine Welt zu verändern, die nicht nur angsteinflößend, sondern vor allem voller Möglichkeiten ist“, sagt Bob Johansen, Autor und Mitarbeiter des Institute for the Future.

Johansen beschreibt vier Strategien, die helfen in einer VUCA-Welt klar zu kommen: Vision (Vision), Understanding (Verständnis), Clarity (Klarheit), Adaptability (Anpassungsfähigkeit).

Auch unsere Mentoren müssen sich auf neue Situationen einlassen. Dafür bekommen sie in der Mentoring-Qualifizierung verschiedene Tools mit an die Hand. Diese unterstützen sie in der Beziehung mit ihrem Mentee. Dadurch bekommen sie eine Idee, ein Verständnis von ihrer Rolle als zukünftiger Mentor und den Aufgaben die damit zusammenhängen.

Die Lösung liegt darin, sich auf die neue, ungewohnte Situationen einzulassen. Im Fall einer Mentoring-Beziehung hilft es immer wieder auch die Perspektive des Mentees einzunehmen. Mit der Sicherheit, die richtigen Tools an der Hand zu haben, wissen unsere Mentoren auch ohne eine Blaupause, ohne genaue Schritt für Schritt Anweisungen, was zu tun ist.

Das Feedback zeigt: Am Ende ist es dann genau diese Art der Vorbereitung auf „das Ungewisse“, das den Teilnehmern am meisten gefällt. Es geht eben nicht nach Schema F, sondern, die Herangehensweise ist, sich gut vorbereitet neuen Situationen ganz offen zu stellen. Das gibt den Teilnehmern unserer Programme die Möglichkeit, sich auf eine andere Ebene zu begeben, persönliche Erfahrungen zu sammeln und Learnings mitzunehmen, die sie auch außerhalb der Mentoren-Mentee-Beziehung in der „VUCA-Welt“ anwenden können.

VUCA beim Mentoring

Die „VUCA-Welt“ ist nicht nur für gestandene und langjährige Mitarbeiter eine schwierige Situation, sondern auch für die „Neuen“. Azubis und Berufseinsteiger werden heute bereits von Anfang an mit einer höheren Unsicherheit konfrontiert, mit der sie nicht immer umzugehen wissen. Gerade der Austausch zwischen diesen zwei Welten – den Erfahrenen und den weniger Erfahrenen – schafft Verständnis und hilft beiden, Mentee und Mentor, bei der persönlichen Entwicklung.

Wichtig ist es beweglich zu bleiben und möglichen Ängsten vor den neuen Herausforderung einer „VUCA-Welt“ aktiv zu begegnen. Ein passendes Sprichwort sagt: „You can’t change the waves, but you can learn to surf“.

 

Quellen:

Suhayl, Abidi/ Manoj, Joshi (2015): VUCA Company. How Indian companies have faced Volatility, Uncertainty, Complexity & Ambiguity. Jaico Publishing House. Mumbai.

Euchner, James (2013): Navigating the VUCA World: Interview with Bob Johansen. In Research-Technology Management, Vol 56/ No.1 https://www.questia.com/library/journal/1G1-315069427/navigating-the-vuca-world-an-interview-with-bob-johansen

Amann, Gabriele Ella/ Alkenbrecher, Frank (2015): Das Sowohl-als-auch-Prinzip. Resilienz: Mit Sicherheit stark durch die Krise. Pro BUSINESS GmbH. Berlin.

U.a. Mack, Oliver/ Khare, Anshuman (Hrsg.) (2016): Managing in a VUCA World. Springer. U.a. Heidelberg, London.

Eisfeldt, Kristin/ Jaeger, Christa (2017): So wird Ihr Unternehmen zum wertvollen Arbeitgeber. Ein ganzheitlicher Blick auch nachhaltigen Erfolg. Springer-Verlag. Wiesbaden.

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