Resilienz – oder wie ich zum Schwamm werde?

Resilienz bezeichnete ursprünglich die Widerstandsfähigkeit und Elastizität von Materialien. Seit einigen Jahren nutzt man den Begriff in der Psychologie und bezeichnet damit die Fähigkeit, gestärkt aus schwierigen Situationen hervorzugehen. Die Ausprägung von Resilienz ist individuell, die gute Nachricht, man kann sie trainieren!

Wenn es zu Krisensituationen kommt reagieren Menschen häufig ganz unterschiedlich – die einen gehen gestärkt daraus hervor, andere zerbrechen daran. Dabei muss eine Krisensituation nicht immer etwas dramatisches sein, wie der Tod eines geliebten Menschen oder eine schwere Krankheit. Auch die schwierige Suche nach einem neuen Job, eine angespannte Wohnsituation oder Beziehungsprobleme, können eine innere Krise auslösen.

Wenn manche Menschen Krisensituationen (besser) meistern als andere, werden sie als resilient(er) bezeichnet. Der Begriff leitet sich aus dem lateinischen „resiliare“ ab und bedeutet abprallen oder auch zurückspringen. Lange wurde er nur in der Ingenieurs- oder Materialwissenschaft genutzt, um die Widerstandsfähigkeit und die Elastizität eines Materials zu bezeichnen – ein anschauliches Beispiel für ein resilientes Material ist ein Schwamm.

Seit einigen Jahren wird der Begriff auch in der Psychologie verwendet, für Menschen, die es schaffen, aus schwierigen Situationen gestärkt hervor zu gehen. Man könnte sie auch als Stehaufmännchen bezeichnen. Resilient geboren wird niemand, aber gewisse Charaktereigenschaften, wie Offenheit, Humor und Flexibilität sind eine gute Basis dafür. Wie gut man mit einer Krise umgeht, zeigt sich aber am Ende erst, wenn sie tatsächlich da ist.

In Studien wurde gezeigt, dass etwa zwei Drittel aller Menschen eine hohe Widerstandsfähigkeit besitzt. Untersucht wurde dies unter anderem in einer Studie der amerikanischen Psychologin Emmy Werner. Für ihre Studie hat sie ab 1955, hawaiianische Kinder von der Geburt an, 40 Jahre begleitet. Ein Drittel der Kinder wuchs in schwierigen Verhältnissen auf – Drogenkonsum, Gewalt und Armut in der Familie. Trotzdem schafften es etwa 30 Prozent von ihnen ein normales Erwachsenenleben zu führen und nicht, wie die anderen 60 Prozent, auf die schiefe Bahn zu geraten. Wieso?

Der Unterschied: Resiliente Kinder hatten mindestens eine Bezugsperson, auf die sie zählen konnten – ein Mensch, der an sie glaubte. Dabei machte es keinen Unterschied, ob es ein Familienmitglied, ein Lehrer oder die Nachbarin war. Es lässt sich festhalten, zwischenmenschliche Beziehungen sind immer wichtig, gerade in Krisensituationen sind sie jedoch essentiell.

Auch beim Mentoring handelt es sich um eine sehr individuelle zwischenmenschliche Beziehung, von der sowohl Mentee als auch Mentor profitieren. Unsere Mentoring-Programme helfen gerade in anspruchsvollen oder schwierigen Situationen, die Stress auslösen können, z. B. während des Einstiegs in das Arbeitsleben oder im Umgang mit Konflikten innerhalb des Betriebs. Ein gutes Beispiel dafür ist unser laufendes Programm mit der Caritas.

Im Arbeitskontext wird Resilienz häufig im Zusammenhang mit dem Thema Stress diskutiert. Der Faktor Stress und seine Auswirkungen auf die Gesundheit sind bekannt – Kopf- und Rückenschmerzen, Bluthochdruck und Schlafstörungen sind so verbreitet, dass sie mittlerweile als Volkskrankheiten gelten. So geht aus der aktuellen Stressstudie der Techniker Krankenkasse hervor, dass jeder fünfte deutsche Arbeitnehmer in den letzten drei Jahren seelische Beschwerden hatte und aus diesem Grund im Schnitt 2,5 Tage krankgeschrieben war.

In unserem Training „Dein Umgang mit Stress“ bekommen die Teilnehmer Tools an die Hand, um ihre eigenen Stressfaktoren zu erkennen und um zu lernen, wie sie besser damit umgehen können. Denn, wie aufgezeigt, kann man die eigene Resilienz in gewissem Maße trainieren! Mehr dazu findet ihr in zum Beispiel auch in unserem Artikel: „Stress bei Azubis – wie gehe ich damit um?„.

 

 

Quellen:

Charigault, Daniel (2011): Resilienz im Unternehmen … denn Krisen machen uns stark! AVM Verlag. München.

Fisch, Stefanie (2013): Die Förderung einer resilienten Unternehmenskultur in mittelständischen Unternehmen. Ein Aufgabenfeld für die Organisationsberatung. Bachelor + Master Publishing. Hamburg.

Hockling, Sabine (2015): „Eine Krise ist ein produktiver Zustand“.

Leybold, Heike (2009): Das Resilienzmodell als bestimmender Einflussfaktor für erfolgreiche Organisations- und Personalentwicklung. Band 3. Logos Verlag. Berlin.

Schnabel, Ulrich (2015): Die Kraft aus der Krise.

Schrems, Alois (2012): Resilienz von Firmen. Ob Euro-Krise oder Bankencrashs – Unternehmen müssen mehr denn je widerstndsfähiger gegen Krisen und Schocks werden. Sieben Schritte, wie das gleingen kann.

TK-Stressstudie 2016: Entspann dich, Deutschland.

 

(Visited 142 times, 1 visits today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Top