Let’s get emotional – wie hängt Emotionale Intelligenz und Erfolg im Business zusammen?

Gute Noten und theoretisches Wissen sind nicht gleichbedeutend mit Erfolg – an der Spitze sitzen oft nicht die mit den besten Abschlüsse, sondern die, die sich selbst und andere gut einschätzen können: sie besitzen Emotionale Intelligenz. Aber was genau bedeutet das eigentlich?

Kernkompetenzen der Emotionalen Intelligenz

Den Begriff der Emotionale Intelligenz hat vor allem Daniel Goleman Mitte der 1990er Jahre geprägt. In einer Studie hat er Kindern etwas Süßes auf den Tisch gelegt und den Raum mit der Ankündigung verlassen, dass sie noch mehr davon bekommen, wenn sie auf seine Rückkehr warten. Etwa die Hälfte der Kinder hat die Süßigkeit sofort gegessen, die anderen haben gewartet und teilweise die Hände vor die Augen genommen, um der Versuchung besser widerstehen zu können. Diese Kinder hat Goleman weitere 15 Jahre begleitet bis sie etwa 20 Jahre alt waren. Dabei stellte sich heraus, dass die geduldigen Kinder, besser in ihrem Leben zurechtkamen und erfolgreicher waren, als diejenigen die der schnellen Versuchung nachgegeben haben.

Goleman hat fünf Kernkompetenzen definiert, die ein Mensch mit Emotionaler Intelligenz besitzt:

1. Selbstwahrnehmung: Das Erkennen und Akzeptieren der eigenen Emotionen ist Auschlaggebend für die Emotionale Intelligenz. Dadurch kann die jeweilige Person sich selber und die eigenen Reaktionen besser verstehen und sie aktiv steuern. Er ist der Situation nicht ausgeliefert.

2. Selbstregulierung: Wer es schafft die eigenen Emotionen der Situation angemessen wahrzunehmen und zu regulieren, kommt automatisch weniger in unangenehme Situationen. Damit kann er gerade negative Gefühle wie Angst, Enttäuschung, Wut und Unsicherheit mäßigen und positive Gefühle verstärken. Das führt dazu, dass er auch mit Rückschlägen besser fertig wird und sie ihn nicht so stark belasten wie andere.

3. Empathie: Empathie ist die Fähigkeit die Gefühle der Mitmenschen wahrzunehmen, die nicht verbal kommuniziert werden. Fehlende Empathie wird oft als kalt und distanziert wahrgenommen. Mit Hilfe von Empathie kann man die Bedürfnisse und Probleme andere Leute besser einschätzen und darauf eingehen. Zu viel Empathie kann aber dazu führen, dass man von Gefühlen überschwemmt wird. Die Eigenschaft an sich ist als wertfrei anzusehen, aber sie kann auch zur Manipulation genutzt werden. Einen kleinen Empathie-Test könnt ihr hier machen.

4. Motivation: Eigene Motivation und das Motivieren anderer hilft beim Erreichen von Zielen, fördert die Kreativität und die Umsetzung von Projekten. Wer sein Ziel im Kopf hat, dem fällt es leichter Versuchungen zu widerstehen und vermeidet impulsive Reaktionen. Intrinsische Motivation sorgt also dafür, dass mehr in längerfristige Lösungen investiert wird, als in kurzfristige.

5. Soziale Kompetenz: Sozial kompetente Menschen sind gut im Umgang mit anderen Menschen. Gerade in Führungspositionen kommt der sozialen Kompetenz eine bedeutende Rolle zu. Personen, die die Gefühle Anderer richtig einschätzen und ihre eigenen Emotionen verstehen und ausdrücken können, fallen zwischenmenschliche, soziale Interaktionen einfach. Im Berufsleben ist dies eine Voraussetzung für Beliebtheit, Wertschätzung und Integration.

 

In der Berufspraxis hat das Fehlen Emotionaler Intelligenz direkte Auswirkungen auf das gesamte Arbeitsumfeld: es passieren mehr Fehler, die Mitarbeiterfluktuation ist höher und die Produktivität geringer. Goleman hat drei Felder erarbeitet, in der Emotionale Intelligenz eine zentrale Rolle spielt. Dazu gehören Teamarbeit, Toleranz gegenüber Minderheiten und die Fähigkeit Kritik angemessen anzubringen. Eine empathisches, arbeitsbezogenes Feedback, schafft Raum für Weiterentwicklung und hat mehr Erfolg, als wenn der Chef von sich selbst weit entfernt ist, es persönlich und möglicherweise auch noch laut wird dabei. Viele Mitarbeiter können mit Kritik nicht umgehen und werden bei der Konfrontation von ihren Gefühlen überschwemmt. Mehr Emotionale Kompetenz aller Beteiligten führt daher zu einer effektiveren (Zusammen-)Arbeit und einem harmonischerem Miteinander im Unternehmen.

Täglich eine Portion Achtsamkeit

Google hat bereits vor einigen Jahren die Relevanz des Themas Emotionale Intelligenz für sich entdeckt. Chade-Meng Tan, Hauptentwickler der Suchmaschine und langjähriger Mitarbeiter, hat für das Unternehmen gemeinsam mit anderen Experten einen 19-stündigen Kurs entwickelt – das „Search Inside Yourself“-Programm. Die Buchausgabe war lange in den Bestsellerlisten und wurde in 22 Sprachen übersetzt. Selbst der Dalai Lama hat es gelesen J. Das Programm greift auf neurowissenschaftliche Erkenntnisse zurück und konzentriert sich vor allem auf Achtsamkeitspraktiken.

Die drei Schwerpunkte des Trainings sind: Achtsamkeitstraining, Selbstwahrnehmung und das Antrainieren neuer Gewohnheiten. Dabei lernen die Kursteilnehmer sich zu fokussieren und ihren Körper wahrzunehmen. Die Teilnehmer werden dabei unterstützt, die erlernten Methoden als neue Gewohnheit in ihren Alltag zu integrieren. Laut Kursteilnehmern wird dadurch der positive Effekt sehr schnell erkennbar: „I have completely changed in the way I react to stressors. I take the time to think through things and empathize with other people’s situations before jumping to conclusions. I love the new me!“ so einer der Google-Mitarbeiter.

Die Amygdala, unsere innere Wächterin

Dies macht Sinn, wenn man sich vor Augen führt, was mit Achtsamkeit bzw. mit Emotionaler Intelligenz erreicht werden kann. Achtsamkeit führt nämlich unter anderem dazu, dass Reaktionen bewusster stattfinden und nicht im Affekt gehandelt wird. Als Wächterin in unserem Gehirn passt die Amygdala ständig auf ob wir in Gefahr sind. Wenn ein Raubtierangriff (was im Office weniger häufig der Fall sein wird) oder ein wütender Chef droht, werden Stresshormone ausgeschüttet. Die Amygdala schaltet  auf Flucht oder auf Schockstarre. Mit entsprechendem Training wird dieser Reflex besser kontrollierbar und eine überlegte Reaktion möglich.

Die Ausbildung Emotionaler Intelligenz findet auch im Mentorenprogramm von ROCK YOUR COMPANY! statt. Die Mentees lernen in den Trainings „DEINE STÄRKEN“ und „DEINE MOTIVATION“ in sich hineinzuhören, ihre Emotionen zu erkennen und zu deuten und entsprechend damit umzugehen. Sie werden mit den vielen Neuerungen, die eine Ausbildung in ihr Leben bringt und auch oft für Frust sorgen kann, nicht alleine gelassen. In den Trainings lernen die Teilnehmer den Umgang mit sich und ihren Peers. Auch beim Umgang mit den Mentoren lernen beide – Mentoren und Mentees – den Umgang mit ihren Mitmenschen und Kollegen nochmal auf einer anderen, intensiveren Ebene als sie es aus ihrem Alltag gewöhnt sind.

In diesem Sinne: Let’s get emotional!

 

Quellen

Hellenkemper, N. (2017): Die verordnete Entschleunigung. Online verfügbar unter http://www.deutschlandfunkkultur.de/mitarbeitertraining-bei-google-die-verordnete.976.de.html?dram:article_id=377791.

Kraus, K.-T. (2007): Emotionale Intelligenz. Soft Skills für Manager? Books on Demand GmbH. Norderstedt.

Krause, K.-T.; Michas, T.; Schirmbeck, B. (2009): Kopf gegen Bauch. Wo Emotionale Intelligenz in Unternehmen wirkt. Und Wie. Berichte aus der Coaching Praxis. Books on Demand GmbH. Norderstedt.

Pahte, A. (2006): Über Emotionale Intelligenz. GRIN Verlag.

Peper, M. (2008): Emotionale Intelligenz im Beruf. Gebrauchsanweisung für einen gelingenden Alltag. Books on Demand GmbH. Norderstedt.

Von Kanitz, A. (2015) Emotionale Intelligenz – Best of Edition: Taschenguide. Haufe-Lexware.

Spektrum (2018): Lexikon der Neurowissenschaft. Emotionale Intelligenz. Online verfügbar unter http://www.spektrum.de/lexikon/neurowissenschaft/emotionale-intelligenz/3399.

Tan, C.-M. (2012): Search Inside Yourself. The Unexpectedt Path to Achieving Success, Happiness (and World Peace). Harper Collins.

Witwer, M. (2016): Wie Google hilf, agil zu werden. Persönliche Kompetenzen für New Work und Agilität entwickeln. Online verfügbar unter https://jaxenter.de/google-agil-41013.

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One thought on “Let’s get emotional – wie hängt Emotionale Intelligenz und Erfolg im Business zusammen?

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