Geschlecht: Warum es im Mentoring (k)eine Rolle spielt

„In der Führungsetage sitzen nur weiße deutsche Männer (…). Wir sind zu eindimensional“, hat Peter Löscher, ehemaliger Siemens AG Vorstandsvorsitzender 2008 gesagt. Bis heute hat sich daran nicht sehr viel geändert – gerade mal 6,9 Prozent Frauenanteil in den deutschen Vorstandsgremien. Frauenquote, Gendergerechtigkeit, gleiche Bezahlung: du kannst es nicht mehr hören? Doch leider ist das Thema immer noch aktuell.

In Führungspositionen gibt es mittlerweile deutlich mehr Frauen als vor 20 Jahren. Dieses Verhältnis findet sich interessanterweise auch in vielen Mentoring-Programmen. So ist die Diskrepanz in der Anzahl männlicher und weiblicher Mentoren jedoch häufig sehr groß. Das liegt vor allem daran, dass es noch nicht genug Frauen in den oberen Führungsebenen gibt, die als Mentorinnen fungieren könnten.

Athene, die Mentorin

Dabei zeigt uns die Geschichte des Mentoring, dass es eigentlich nicht so sein müsste. Die Entstehung des Wortes „Mentor“ geht auf Homers Odyssee aus dem 8. Jahrhundert vor Christus zurück. Als Odysseus in den trojanischen Krieg zieht, überlässt er die Betreuung seines Sohnes Telemachos seinem Freund Mentor. Mentor wird so zum Erzieher, Lehrmeister und väterlichem Freund. Interessant dabei ist: die Göttin Athene nimmt die Gestalt von Mentor an und berät Telemachos in dieser schwierigen Zeit ebenfalls. So bekommt er die sich ergänzenden Vorteile der weiblichen und männlichen Unterstützung zu spüren.

Durch Mentoring-Programme wird in vielen verschiedenen Bereichen versucht, Frauen zu stärken und Perspektiven zu schaffen. Viele Frauen trauen sich eine verantwortungsvollere Aufgabe von sich aus nicht zu. Männer sind da oft das andere Extrem: sie strotzen vor Selbstbewusstsein und stellen sich auch Aufgaben, für die sie teilweise gar nicht die Qualifikationen erfüllen. So bewerben sich Männer zum Beispiel auf Stellen, bei denen sie etwa 50 bis 60 Prozent der gestellten Anforderungen erfüllen – Frauen oft erst, wenn sie 120 Prozent erfüllen.

Gegenseitiges Verständnis durch Mentoring

Mentoring kann gerade Frauen bei der Überwindung von Erfolgsbarrieren helfen. Ein „typisches“ Frauenproblem ist die Unterordnung in der Gruppe, das Nicht-Auffallen-Wollen und der Wunsch in guter Beziehung zu ihrem Umfeld zu stehen. Ein männlicher, älterer Mentor kann wiederum schnell in die Beschützerrolle fallen, indem er alles für den jüngeren, weiblichen Mentee regelt. Eine weitere Falle für viele Frauen ist das sogenannte Tiara Syndrom: Sie denken, dass sie nur viel und gut arbeiten müssen, dann werden sie schon irgendwann anerkannt und entdeckt werden. Aber was ist die Arbeit Wert, wenn sie niemand sieht?

Das alles sind mögliche Stolpersteine, die es bei der Umsetzung von Mentoring zu beachten gilt. Dabei muss nicht unbedingt eine Frau die Mentorin sein. Auch von Mentoren können sich weibliche Mentees viel Abschauen und lernen, auch um die Arbeitsweise unter den Männern zu verstehen. Doch ohne deswegen zu denken, dass sie sich wie die Männer in Führungspositionen verhalten müssen. Ein Mentor im „women leaders program“ sagt dazu: „I have learned a lot from the fact that my mentee is a woman. Women do look differently at the world than men especially in relation to career and children. I realised before that there were these differences, but I had no idea how much time and effort woman spend in making ends meet. I think about this a lot in my role as a manager today.“

Gender-Awareness im Mentoring

Mentoring bietet eine Chance, Frauen Tools an die Hand zu geben, um ihre individuellen Fähigkeiten besser und selbstbewusster einzusetzen. In den Unternehmen selbst und in den Trainings ist die „Gender-Awareness“ ein Aspekt, den man nicht aus den Augen verlieren sollte. Dazu gehört sich geschlechterspezifischen Denkmuster und eine unterschiedliche Art zu kommunizieren bewusst zu machen. Dasselbe gilt zugleich für die generell unterschiedlichen Lebenswelten und Glaubenssätze, die jeder inne hat.

Nach dem Jubiläum „100 Jahren Frauenwahlrecht“ 2018 sollte sich in den nächsten 100 Jahren noch einiges tun in der Gleichberechtigungslandschaft – Mentoring ist dafür eines der möglichen Werkzeuge.

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