Studium fertig – und nun? Erwartungen an den ersten Arbeitgeber

Für einen Teil der deutschen Studierenden bedeutet der baldige Beginn der Semesterferien: Sommer, Sonne, Eis – und Seminararbeiten schreiben. Für einen anderen Teil, nämlich die Absolventen, bedeutet er das endgültige Verlassen des Uni-Gebäudes und die Suche nach einem Job. In Gedanken daran haben wir uns gefragt: „Wie ticken deutsche Studien-Absolventen eigentlich? Was ist ihnen wichtig, wenn sie bald ihren ersten Job suchen?“

Im Juni erschien eine Studie, die uns zumindest ein paar Hinweise liefert. Die u.a. in Deutschland ansässige Online-Jobplattform StepStone ließ in dieser Studie untersuchen, welche Präferenzen und Erwartungen Studierende in Deutschland bei der Jobsuche und dem Einstieg in den Beruf haben. An der Online-Befragung nahmen insgesamt 3.500 aktuell in Deutschland immatrikulierte Studierende teil, von denen der Großteil einen Abschluss innerhalb der nächsten zwei Jahre anstrebt. Ergänzend dazu wurden aber auch 4.000 Personalverantwortliche in Unternehmen online befragt, um herauszufinden, welche Ansprüche Rekrutierende an junge Fachkräfte im Bewerbungsprozess haben.

Wir haben uns die Studie einmal angesehen und die interessantesten Ergebnisse und Erkenntnisse zusammengestellt. Die vollständige Studie findet ihr zum Nachlesen hier.

Praxis-Erfahrungen der Studierenden

Bemerkenswert ist, dass mehr als die Hälfte der befragten Studierenden neben dem Studium erwerbstätig ist und damit 41% der Studierenden über mindestens ein Jahr einschlägige Berufserfahrung verfügt. So sind 64% der Befragten in Aushilfsjobs, als Werkstudenten, als studentische Mitarbeiter oder sogar zu einem kleinen Teil in Vollzeit praktisch tätig.

Erwartungen zum Einstieg

Zu den bevorzugten Einstiegswegen kann festgestellt werden: Sicherheit geht vor! Als attraktivsten Einstiegsweg sehen die befragten Studierenden einen Direkteinstieg mit einem unbefristeten Vertrag, ein Trainee-Programm oder ein befristeter Vertrag sind aber ebenfalls denkbar. Den Einstieg über ein Praktikum findet die Mehrheit der befragten Studierenden – unabhängig von der Wahl des Studienfachs – unattraktiv.

Erwartungen zur Art des Unternehmens

Rund die Hälfte der befragten Studierenden würde nach ihrem Abschluss gerne für ein großes (internationales) oder ein mittelständisches (nationales) Unternehmen arbeiten. Die wenigsten hingegen möchten ein eigenes Unternehmen gründen (6%) oder für ein Start-up arbeiten (5%). Außerdem mag es die Mehrheit der befragten Studierenden übersichtlich: über 50% wünschen sich einen Einstieg in einem Unternehmen mit weniger als 500 Mitarbeitern. Diese Unternehmen sollten allerdings geprägt sein von selbstverantwortlichen Teams (82%) und flachen Hierarchien (77%).

Erwartungen zur Weiterbildung

Von denjenigen Studierenden, die in der Befragung angaben, dass ihnen professionelles Training und Weiterbildung wichtig ist, wünschen sich z.B.: eine Entwicklung zum Fachexperten (85%), ein Mentoring-Programm (79%), regelmäßige Personalentwicklungsgespräche (78%), die Erstellung einer langfristigen Laufbahnplanung (77%) oder gar eine Entwicklung zur Führungskraft (73%).

Erwartungen zu Eigenschaften und Möglichkeiten

Gefragt nach bevorzugten Eigenschaften und Möglichkeiten beim ersten Arbeitgeber, wünschen sich mehr als 80% der Studierenden u.a.: die strukturierte Einarbeitung durch erfahrene Kollegen, eine sichere Anstellung, professionelles Training und Weiterentwicklung sowie flexible Arbeitsbedingungen.

Gebotene Einstiegsmöglichkeiten der Unternehmen

Die befragten Unternehmen gaben als Einstiegsmöglichkeiten zumeist einen befristeten oder unbefristeten Direkteinstieg an. Ein Einstieg über Traineeships wird v.a. von Großunternehmen mit über 1.000 Mitarbeitern angeboten, wohingegen der Einstieg über Volontariate deutlich ungewöhnlicher ist.

Formale Anforderungen der Unternehmen

Formal gesehen ist es den befragten Unternehmen meist wichtig, dass Berufseinsteiger ein abgeschlossenes Bachelor- oder Masterstudium vorweisen können sowie bereits Praktika- oder Werkstudententätigkeit ausgeübt haben. Weniger wichtig sind den Unternehmen, zumindest formal, Kriterien wie ein sehr guter Abschluss der Note 1,0 bis 1,5 oder ein Abschluss in Regelstudienzeit, eine Promotion oder einschlägige Auslandserfahrung.

Fazit

Im Fazit ihrer Studie machen die Autoren Hermann & Pela unter anderem auf eines aufmerksam: Für junge Nachwuchskräfte seien die Punkte Jobsicherheit und ein angemessenes Gehalt nach wie vor wichtige Entscheidungsfaktoren auf ihrer Suche nach dem richtigen ersten Arbeitgeber. Darüber hinaus seien für die Befragten aber eine strukturierte Einarbeitung und die Möglichkeit, schnell Verantwortung zu übernehmen, dringlicher. Und auch interne Angebote zur persönlichen Weiterentwicklung, etwa in Form von Mentoring oder Fachschulungen, würden von den angehenden Fachkräften erwartet. „Arbeitgeber, die diese Punkte umsetzen und gezielt Absolventen als Kandidaten ansprechen, können direkt Pluspunkte sammeln“ (S. 36).

 

Quelle: Hermann, A., & Pela, P. (2018): Berufseinsteiger im Fokus. StepStone GmbH, Juni 2018. Studie als PDF aufrufbar unter: https://www.stepstone.de/Ueber-StepStone/wp-content/uploads/2018/06/StepStone_Berufseinsteiger-im-Fokus_Recruiting-Insights.pdf.

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