RYC!-Sommer Spezial: unsere Trainer Vol. 6 – Annika Päutz



Mit viel Empowerment: Annika Päutz

Annika Päutz‘ Trainings schaffen eine Wohlfühlatmosphäre, in der sich ein jeder sicher fühlt und sich zeigen möchte. Mit ihrer warmen Art und dem gezielten Methodeneinsatz ermöglicht sie es ihren Teilnehmern, den Blick auf sich selbst zu richten, blinde Flecken zu enttarnen und diesen mit Tatkraft zu begegnen.

Welcher Moment als RYC!-Trainer ist dein persönlicher „Golden Moment“?

Mein Golden Moment geschah in einem Stärkentraining für neue Mitarbeiter eines Unternehmens, denn hier waren meine Lieblings-Trainer-Fähigkeiten: die Improvisation, Gegenwärtigkeit, Einfühlungsvermögen in die Bedürfnisse der Gruppe und Kreativität verlangt.

Während der Übung „Die eigenen Potenziale erkennen“ sprach mich ein Teilnehmer an, ihm helfe die Übung nicht weiter. Durch Nachfragen fand ich heraus, dass er in naher Zukunft eine leitende Position übernehmen würde. Er fühlte sich trotz des Wissens um seine Stärken nicht ausreichend vorbereitet. Andere, die schon Projekte geleitet hatten, hatten es trotz des Wissens um ihre Stärken nicht leicht, ihr Projektteam hinter sich zu bringen und stießen auf Widerstände.

Diese Herausforderungen haben sofort meine Neugierde geweckt und ich änderte mit Zustimmung der Gruppe die Fahrtrichtung des Trainings. Die erfahreneren Teilnehmer schilderten Fallbeispiele, anhand derer ich Rollenspiele entwickelte.

Wir haben viel gelacht, während wir mit verschiedenen Verhaltensweisen experimentierten und herausarbeiteten wie wir eine Situation durch unsere Denkhaltung erfolgreich gestaltet können – und welchen Einfluss wir als Führungsperson darauf haben. Mein Golden Moment war als ich beobachtete, dass sich meine Teilnehmer dafür entschieden haben: für ihren bewussten Umgang mit ihren Gedanken und ihrem Einfluss.

Du hast bereits viele Erfahrungen im Bereich Leadership und Persönlichkeitsentwicklung gesammelt: Inwiefern profitierst du für deine Trainertätigkeit bei RYC! von diesen Erfahrungen?

In meinem beruflichen Werdegang konnte ich einen spannenden Zusammenhang entdecken: je besser ich als Trainerin und Coach wurde, umso besser wurde ich als Führungsperson. Das liegt meiner Meinung nach daran, dass Trainerin-Sein bedeutet, Leadership zu leben.

Es braucht in beiden Kontexten ähnliche Fähigkeiten: die Empfänglichkeit für die Themen und Bedürfnisse der Trainings- bzw. Teammitglieder, sie zu bestärken und zu fördern, sodass sie lernen sich selbst zu führen und Verantwortung zu übernehmen. Es ist wichtig, das Vorgehen zu erklären, unangenehme Themen anzusprechen und Konflikte zu mediieren. Für Konfliktmanagement ist es wiederum unerlässlich mit Emotionen umgehen zu können und hinter einer emotionalen Reaktion eine gute Intention und Motivation herauszuhören.

Teilnehmer profitieren von meinen Erfahrungen als Führungskraft und den Parallelen, die ich ziehen kann. Das Wichtigste jedoch ist es, authentisch zu sein und damit als Vorbild vorzuleben, was vermittelt bzw. im Team gelebt werden soll.

Du hast eine Weiterbildung im Thema Empathie. Welche Rolle spielen Empathie und Emotionen im Arbeitskontext?

Mensch-Sein bedeutet Emotionen zu haben und zu empfinden. Daher sind Emotionen überall allgegenwärtig, wo Menschen aufeinandertreffen – also auch im Arbeitskontext. Ich verstehe mich als Botschafterin für Emotionen: Im Training poliere ich das angekratzte Image von Emotionen auf. Es ist leider ein Normalzustand, dass wir uns schämen und uns als Mensch ablehnen, wenn wir emotional sind (traurig, sorgenvoll, frustriert) und uns etwas nahegeht. Wir lernen in unserer Gesellschaft nicht, wie wir mit dem Urmenschlichsten – unseren Gefühlen und denen unserer Mitmenschen – umgehen können.

Wir zwingen uns, gutgelaunt zu sein und glauben, dass etwas nicht mit uns stimmt, wenn wir uns nicht stark oder selbstbewusst fühlen. Wir haben sogar ein Modewort gefunden, hinter dem wir die Gefühle verstecken können: Stress. Wenn wir uns gestresst fühlen, weisen meistens mehrere Emotionen uns darauf hin, wie es uns geht und was uns belastet – wir haben nur verlernt zuzuhören.

Dadurch bleiben wir hinter unserem Potenzial zurück, fühlen uns abgestumpft und merken nicht wie es anderen geht. In meinen Trainings lernen Menschen sich wieder zuzuhören und Emotional Mastery zu lernen; also Emotionen als Informationsbringer wahrzunehmen, die Botschaft zu verstehen und dann die beste Entscheidung zu treffen und zu handeln. Kurz: Herz und Verstand zu verbinden. Meine Hoffnung ist es, dass wir wieder lernen zu fühlen, um dadurch Arbeitswelten zu schaffen, in denen die Wörter Stress und Burn-Out Schnee von gestern sind.

Wenn du als Trainerin in einer Organisation Innovation und Kreativität förderst – wie machst du das?

Innovation und Kreativität beschreiben den Spaß am Ausprobieren von neuen Lösungen und daran Bekanntes neu zu denken. Der Preis dafür Unsicherheit und ein gewisses Risiko zu Scheitern. Meistens vermeiden wir Menschen als Gewohnheitstiere diese Gefühlszustände lieber und bleiben auf bekanntem Terrain. Die Frage, die mich als Trainerin also umtreibt ist: Wie kann ein Arbeitsumfeld im Team geschaffen werden, in dem sich Personen so sicher fühlen, dass innovatives Arbeiten die Abenteuerlust weckt?

Die Antwort ist, Vertrauen im Team als Ausgangspunkt für Innovation und Kreativität zu schaffen. Dies erarbeite ich mit Einzelpersonen oder auch mit Teams im Training. Wir betrachten die Reibungsaspekte im Arbeitsalltag und schaffen einen Arbeitskontext, in dem alle ihren Gedanken freien Lauf lassen können und Emotionen Platz haben. Jedes Teammitglied trägt einen Schlüssel zur Lösung des Problems in sich und gemeinsam entsteht ein Flow-Erleben im Team, da sich alle Mitglieder gehört fühlen und ihren Platz in der Gruppe kennen. Es ist ein unglaubliches Gefühl, wenn sich die Gehirne der einzelnen Individuen vernetzen, um gemeinsam auf eine Vision hinzuarbeiten. Für mich als Trainerin ist es der größte Erfolg, wenn sich Teams aus ihrer eigenen Stagnation reißen und sich den richtigen Arbeitsrahmen schaffen, um Bestleistungen zu bringen.

Potentialentfaltung spielt in unser aller Leben eine Rolle. Wann konntest du dich das letzte Mal beim Wachsen beobachten?

Momentan beobachte ich mich fast täglich beim Wachsen, weil ich durch meine Selbstständigkeit jeden Tag herausgefordert werde, den Tag bestmöglich zu nutzen, meine Unsicherheiten zu überwinden und Neues zu wagen. Nach einer erledigten Aufgabe, wartet schon die nächste Herausforderung – ähnlich wie im Studium könnte ich jedes Wochenende arbeiten oder abends, wenn andere Feierabend haben. Abschalten ist dadurch schwierig. Ich lerne gerade die richtige Balance zwischen Aktion und Genießen zu finden. Einen Berg besteigt man schließlich auch aus zwei Gründen: um sich selbst herauszufordern und um dabei die Aussicht zu genießen.

 

 

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